Sonntag, 1. September 2013

Die Vorgeschichte



Die Geburt von Valentina


Am 14.Juli 2012 wurde unsere Tochter Valentina Maria geboren. 

Dieser Tag veränderte das Leben von Rene und mir gewaltig, denn diese Liebe zu einem Kind kann man nicht beschreiben, diese kann man nur fühlen. Ein unbeschreiblich tolles Gefühl!






Manches fängt klein an, manches beginnt groß. 
Aber manchmal ist das Kleinste das Größte!





Hörscreening in der Klinik

Standardmäßig wird bereits in der Klinik ein Hörscreening bei allen Säuglingen gemacht. Dieser Vorgang geht so schnell, dass manche Eltern das gar nicht so richtig mitbekommen. 

Dabei wird bei den Kindern ein Gerät mit einem Stöpsel ins Ohr gehalten (meist im Schlaf) und anhand der Härchenbewegung zeigt es an ob das Kind etwas hört. 

Bei uns wurde der Test an zwei Tagen durchgeführt – mit der Information, dass das Gerät ab und zu nicht funktioniert. Am Tag der Entlassung haben sie es dann noch einmal probiert und es klappte nach mehreren Versuchen am rechten Ohr. Immerhin etwas.

Wir bekamen schlussendlich einen Termin zu einer Folgeuntersuchung in einem Monat im KH, Uns wurde gesagt, dass sich noch Fruchtwasser im Ohr befinden kann und es scheinbar öfter vorkommt, dass es einen weiteren Termin gibt. Aus diesem Grund machten wir uns zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen.

1. Untersuchung

Man sagte uns im Vorfeld, dass sie während der Untersuchung schlafen soll und so haben wir das Stillen und die Schlafenszeit so hingetimt, dass wir optimale Vorraussetzungen bei der Untersuchung hatten. 

Eine Logopädin steckte ihr Einsteckhörer in die Ohren und dann ging es los. 

Am Computer wurden Wellen ersichtlich und ich hatte keinen Schimmer was diese Wellen aussagen sollten. Was war nun gut und was eher nicht so toll? Keine Ahnung..

Nach cirka einer halben Stunde meinte die Logopädin, dass auf der rechten Seite alles in Ordnung ist und auf der linken Seite eine weitere Kontrolle in einem Monat gemacht werden muss. Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl, aber der kleine Zwerg ist ja noch so jung, logisch dass da noch Fruchtwasser in den Ohren sein kann. Wir warteten im Warteraum auf das Gespräch mit dem Oberarzt. Nach dem Aufruf kontrollierte der Arzt die Ohren von Valentina und bestätigte die Aussage von der Logopädin und werden ihn in einem Monat wieder sehen.


2. Untersuchung

Zwei Monate nach der Geburt – dieselbe Situation, da Rene arbeiten musste, habe ich die kleine Maus hungrig ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde Valentina dann gestillt, die Elektroden wurden aufgeklebt und die Einsteckhörer reingesteckt. Tja und da waren sie wieder, die vielen Wellen. 
Diesmal hatte ich allerdings schon ein Gefühl wie die Welle aussehen sollte und ich wusste, dass bei dem Test verschiedene Frequenzen getestet werden. Die Elektroden messen die Hirnströme der einzelnen Reize und eine schöne wellige Kurve mit einem Bogen wäre das optimale Ergebnis. 

Nur irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Wellen nicht so aussehen wie sie aussehen sollen. Das Gesicht der Logopädin war auch nicht sehr entspannt und sie versuchte immer wieder ein gutes Ergebnis bei den einzelnen Frequenzen zu bekommen. Ich wurde nervös. Nach einer Stunde, gefühlten 2 Stunden beendete sie den Test und teilte mir mit, dass sie das Ergebnis noch mit dem Oberarzt besprechen muss und in der Zwischenzeit im Wartezimmer Platz nehmen sollte. 
Puhh… irgendwie stiegt die Spannung. Die kleine Maus war auch munter, da das Entfernen der Elektrodenpads etwas schmerzhaft ist, da der Kleber relativ gut hält. Ich versuchte die Reste des Klebers noch herunterzuwischen und gabs dann auf, da ich die Kleine nicht noch mehr leiden lassen wollte. Dann sah ich einen Folder von einem Sinnesinstiut, sehr interessant, Sachen gibt es. Ich begann ihn mir genauer anzusehen und legte ihn dann wieder zur Seite. 
Die Kleine ist erschöpft wieder eingeschlafen und dann wurden wir aufgerufen.

Der Oberarzt untersuchte ihre Ohren und teilte mir das Ergebnis des Tests mit. 
Bei dieser Untersuchung haben beide Ohren den Test nicht bestanden und der Arzt meinte, dass es sein könnte, dass Valentina schwerhörig ist. Wobei rechts die Hörschwelle relativ gut war, aber links nach dem jetztigen Ergebnis Unterstützung brauchen wird. Aber um sicherzugehen, müssen wir in einem Monat noch einen weiteren Test machen. Ich blieb bei dem Wort schwerhörig hängen….
Meine Gedanken waren weg. Mein Kopf leer und ich fragte den Arzt, was das nun bedeutet. Der Arzt war nett und erklärte mir, dass sie links zu wenig hört und so wie der Test diesmal war, sie auf der linken Seite eventuell Hörgeräte braucht, wenn beim nächsten Mal das Ergebnis so ist, wie dieses Mal.
Hörgeräte? Ich konnte keine weiteren Informationen mehr aufnehmen und ich spürte Tränen in den Augen – versuchte aber Haltung zu wahren. Der Arzt versuchte die Stimmung zu entspannen und meinte, dass das rechte Ohr so gut sei, dass sie die Hörschwäche auf der linken Seite damit kompensieren kann. 

Er fragte mich noch ob es Hörschwächen in der Familie gibt? 
Nicht das ich wüsste. Aber ich weiß es auch nur, von denen die ich kenne.

Danach noch die Frage nach Krankheiten in der Schwangerschaft?
Ich sagte ihm, dass ich in der Schwangerschaft krank war und damals auch Antibiotikum nehmen musste. Darauf meinte er, dass ich nachforschen sollte, wann dies war und was ich genau eingenommen hatte. 

Er erklärte mir, dass es einen Gendefekt gibt, der auch dafür verantwortlich sein kann, dass es zu einer Hörschwäche kommt und meinte, dass wir nach dem nächsten Termin mehr wissen. Ich bekam einen Termin und verließ das Ordinationszimmer mit Valentina. Nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten und rief sofort René an. Wir waren beide irritiert und verwirrt.

Zuhause, stellte ich mir die Frage ob das alles real sei? Es sein konnte, dass sie wirklich wenig hört. Ich setzte mich vor den Computer und machte mich über dieses Thema ein wenig schlauer. Irgendwie machte das aber keinen Sinn und versuchte mich ein wenig abzulenken.
Am nächsten Tag kam Rene und wir haben die Situation besprochen. Wir waren besorgt und beunruhigt und wussten nicht wie uns geschieht. Es war ein ganz komisches Gefühl… auch das Gefühl ist schwer zu beschreiben.

Aber das heißt ja noch nichts. Wir haben bewusst darauf geachtet ob die Kleine auf Geräusche reagiert und waren dann wieder beruhigt. Sie reagiert auf uns und auch auf Geräusche. Da kann das Ganze ja nicht so schlimm sein.

Die Diagnose

Ein Monat später selbiges Prozedere, die kleine Maus hungern lassen und ab ins Krankenhaus. Mit drei Monaten schon das dritte Mal... was sich die kleine Maus jetzt schon mitmachen muss. Diesmal war aber Papa auch mit. Es ist einfach was anderes wenn man dabei ist und es nicht von zweiter Hand hört. 



Mittlerweile wusste ich schon wie die Wellen aussehen sollten und es sah nicht gut aus. Auf beiden Seiten nicht. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ich war müde. Ich war beunruhigt.
Die Umgebung war nicht gerade leise. Vielleicht ist das der Grund für das Ergebnis.
Valentina wurde wach, wir beendeten den Test und sie weinte beim Entfernen der Klebepads. Rene drückte mich und irgendwie wollten wir es beide nicht wahrhaben. Wir setzten uns wieder in den Warteraum und sprache nicht viel. 
Das Gespräch mit dem Oberarzt hat uns dann in die Realität zurückgeholt. 
Die Diagnose: Valentina war schwerhörig und das auf beiden Seiten 
– d.h. sie bekommt Hörgeräte. Hörgeräte auf beiden Seiten. 

Mein Herz beginnt zu rasen. Die Luft blieb weg und Tränen kullerten. Ich war sprachlos. 
Meine / Unsere Tochter ist schwerhörig? Sie bekommt Hörgeräte… kann man das mit dem Alter überhaupt schon sagen? Sie ist noch so klein und unschuldig. Warum sie? Das kann es doch nicht geben… Ich hab nicht viel von dem Gespräch mit dem Arzt mitbekommen. Rene übernahm das. Gut, dass er mitgekommen ist. Der Arzt gab uns den Verordnungsschein für Hörgeräte mit einem Folder von der Hörgerätefirma Bagus, die auf Kinder spezialisiert sind und den Folder von dem Institut für Sinnes- und Sprachneurologie. Wir sollten uns mit beiden in Verbindung setzen. Wir nahmen die Folder und verabschiedeten uns mit einem weiteren Termin in drei Monaten und der Information, dass wir uns jederzeit melden konnten wenn wir Fragen hätten.

Was sollte man da dazu sagen? Wir waren sprachlos auf der Heimfahrt. Der Schock saß in unseren Gliedern und Valentina lächelte aus dem Maxi Cosi. Wir lächelten, aber es war ein gedrücktes Lächeln. Wir stellten uns die Frage warum gerade wir?

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