Die Geburt von Valentina
Am 14.Juli 2012 wurde unsere
Tochter Valentina Maria geboren.
Dieser Tag veränderte das Leben von Rene und mir gewaltig, denn diese
Liebe zu einem Kind kann man nicht beschreiben, diese kann man nur fühlen. Ein
unbeschreiblich tolles Gefühl!
Manches
fängt klein an, manches beginnt groß.
Aber manchmal ist das Kleinste das
Größte!
Hörscreening in der Klinik
Standardmäßig wird bereits
in der Klinik ein Hörscreening bei allen Säuglingen gemacht. Dieser Vorgang
geht so schnell, dass manche Eltern das gar nicht so richtig mitbekommen.
Dabei
wird bei den Kindern ein Gerät mit einem Stöpsel ins Ohr gehalten (meist im
Schlaf) und anhand der Härchenbewegung zeigt es an ob das Kind etwas hört.
Bei uns wurde der Test an
zwei Tagen durchgeführt – mit der Information, dass das Gerät ab und zu nicht funktioniert. Am Tag der Entlassung haben sie es dann noch
einmal probiert und es klappte nach mehreren Versuchen am rechten Ohr. Immerhin etwas.
Wir bekamen schlussendlich einen Termin zu einer Folgeuntersuchung in
einem Monat im KH, Uns wurde gesagt, dass sich noch
Fruchtwasser im Ohr befinden kann und es scheinbar öfter vorkommt, dass es einen
weiteren Termin gibt. Aus diesem Grund machten wir uns zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen.
1. Untersuchung
Man sagte uns im Vorfeld,
dass sie während der Untersuchung schlafen soll und so haben wir das Stillen
und die Schlafenszeit so hingetimt, dass wir optimale Vorraussetzungen bei der
Untersuchung hatten.
Eine Logopädin steckte ihr Einsteckhörer in die Ohren und
dann ging es los.
Am Computer wurden Wellen
ersichtlich und ich hatte keinen Schimmer was diese Wellen aussagen sollten.
Was war nun gut und was eher nicht so toll? Keine Ahnung..
Nach cirka einer halben
Stunde meinte die Logopädin, dass auf der rechten Seite alles in Ordnung ist und auf der linken Seite eine weitere Kontrolle in einem Monat gemacht werden muss. Ich hatte ein etwas mulmiges
Gefühl, aber der kleine Zwerg ist ja noch so jung, logisch dass da noch
Fruchtwasser in den Ohren sein kann. Wir warteten im Warteraum auf das Gespräch mit dem Oberarzt. Nach dem Aufruf kontrollierte der Arzt die Ohren von Valentina und bestätigte die Aussage von der Logopädin und werden ihn in einem Monat wieder sehen.
2. Untersuchung
Zwei Monate nach der Geburt – dieselbe
Situation, da Rene arbeiten musste, habe ich die kleine Maus hungrig ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde Valentina dann gestillt,
die Elektroden wurden aufgeklebt und die Einsteckhörer reingesteckt. Tja und da waren sie wieder, die vielen Wellen.
Diesmal
hatte ich allerdings schon ein Gefühl wie die Welle aussehen sollte und ich wusste, dass bei dem Test verschiedene
Frequenzen getestet werden. Die Elektroden messen die Hirnströme
der einzelnen Reize und eine schöne wellige Kurve mit einem Bogen wäre das optimale Ergebnis.
Nur
irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Wellen nicht so aussehen wie sie
aussehen sollen. Das Gesicht der Logopädin war auch nicht sehr entspannt und
sie versuchte immer wieder ein gutes Ergebnis bei den einzelnen Frequenzen zu
bekommen. Ich wurde nervös. Nach einer Stunde, gefühlten 2 Stunden beendete sie
den Test und teilte mir mit, dass sie das Ergebnis noch mit dem Oberarzt
besprechen muss und in der Zwischenzeit im Wartezimmer Platz nehmen sollte.
Puhh…
irgendwie stiegt die Spannung. Die kleine Maus war auch munter, da das
Entfernen der Elektrodenpads etwas schmerzhaft ist, da der Kleber relativ gut
hält. Ich versuchte die Reste des Klebers noch herunterzuwischen und gabs dann
auf, da ich die Kleine nicht noch mehr leiden lassen wollte. Dann sah ich einen Folder von einem Sinnesinstiut, sehr interessant, Sachen gibt es. Ich begann ihn mir genauer anzusehen und legte ihn dann wieder zur Seite.
Die Kleine ist erschöpft wieder eingeschlafen und dann wurden wir aufgerufen.
Der Oberarzt untersuchte ihre Ohren und teilte mir das Ergebnis des Tests mit.
Bei
dieser Untersuchung haben beide Ohren den Test nicht bestanden und der Arzt
meinte, dass es sein könnte, dass Valentina schwerhörig ist. Wobei rechts die Hörschwelle relativ
gut war, aber links nach dem jetztigen Ergebnis Unterstützung brauchen
wird. Aber um sicherzugehen, müssen wir in einem Monat noch einen weiteren Test machen.
Ich blieb bei dem Wort schwerhörig hängen….
Meine Gedanken waren weg.
Mein Kopf leer und ich fragte den Arzt, was das nun bedeutet. Der Arzt war nett und erklärte mir, dass sie links zu wenig hört und so wie der Test diesmal war, sie
auf der linken Seite eventuell Hörgeräte braucht, wenn beim nächsten Mal das Ergebnis so ist, wie dieses Mal.
Hörgeräte? Ich konnte keine
weiteren Informationen mehr aufnehmen und ich spürte Tränen in den Augen –
versuchte aber Haltung zu wahren. Der Arzt versuchte die Stimmung zu entspannen
und meinte, dass das rechte Ohr so gut sei, dass sie die Hörschwäche auf der linken Seite damit kompensieren kann.
Er fragte mich noch ob es
Hörschwächen in der Familie gibt?
Nicht das ich wüsste. Aber ich weiß es auch nur, von denen die ich kenne.
Danach noch die Frage nach Krankheiten in der Schwangerschaft?
Ich sagte ihm, dass ich in der Schwangerschaft krank war und damals auch Antibiotikum nehmen musste. Darauf meinte er, dass ich nachforschen
sollte, wann dies war und was ich genau eingenommen hatte.
Er erklärte mir, dass es einen Gendefekt gibt, der auch dafür verantwortlich sein kann, dass es zu einer Hörschwäche kommt und meinte, dass wir nach dem nächsten Termin mehr wissen. Ich bekam einen Termin und
verließ das Ordinationszimmer mit Valentina. Nun konnte ich die Tränen nicht
mehr zurückhalten und rief sofort René an. Wir
waren beide irritiert und verwirrt.
Zuhause, stellte ich mir die
Frage ob das alles real sei? Es sein konnte, dass sie wirklich wenig hört. Ich setzte mich vor den Computer und machte mich über dieses Thema ein wenig schlauer. Irgendwie machte das aber keinen Sinn und versuchte mich ein wenig abzulenken.
Am
nächsten Tag kam Rene und wir haben die Situation besprochen. Wir waren besorgt
und beunruhigt und wussten
nicht wie uns geschieht. Es war ein ganz komisches Gefühl… auch das Gefühl ist schwer zu beschreiben.
Aber das heißt ja noch nichts. Wir
haben bewusst darauf geachtet ob die Kleine auf Geräusche reagiert und waren
dann wieder beruhigt. Sie reagiert auf uns und auch auf Geräusche. Da kann
das Ganze ja nicht so schlimm sein.
Die Diagnose
Ein Monat später selbiges
Prozedere, die kleine Maus hungern lassen und ab ins Krankenhaus. Mit drei Monaten schon das dritte Mal... was sich die kleine Maus jetzt schon mitmachen muss. Diesmal war aber Papa auch mit. Es ist einfach was anderes wenn man dabei ist
und es nicht von zweiter Hand hört.
Mittlerweile wusste ich schon wie die
Wellen aussehen sollten und es sah nicht gut aus. Auf beiden Seiten nicht.
Meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ich war müde. Ich war beunruhigt.
Die Umgebung war nicht
gerade leise. Vielleicht ist das der Grund für das Ergebnis.
Valentina wurde wach, wir beendeten den Test und sie weinte beim Entfernen der Klebepads. Rene drückte mich und irgendwie wollten wir es beide nicht wahrhaben. Wir setzten uns wieder in den Warteraum und sprache nicht viel.
Das Gespräch mit
dem Oberarzt hat uns dann in die Realität zurückgeholt.
Die Diagnose: Valentina war
schwerhörig und das auf beiden Seiten
– d.h. sie bekommt Hörgeräte. Hörgeräte
auf beiden Seiten.
Mein Herz beginnt zu rasen.
Die Luft blieb weg und Tränen kullerten. Ich war sprachlos.
Meine / Unsere
Tochter ist schwerhörig? Sie bekommt Hörgeräte… kann man das mit dem Alter
überhaupt schon sagen? Sie ist noch so klein und unschuldig. Warum sie? Das
kann es doch nicht geben… Ich hab nicht viel von dem Gespräch mit dem Arzt mitbekommen. Rene übernahm das. Gut, dass er mitgekommen ist. Der Arzt gab uns den Verordnungsschein für Hörgeräte mit einem Folder
von der Hörgerätefirma Bagus, die auf Kinder spezialisiert sind und den Folder von dem Institut für Sinnes- und Sprachneurologie. Wir sollten uns mit beiden in Verbindung setzen.
Wir nahmen die Folder und verabschiedeten uns mit einem weiteren
Termin in drei Monaten und der Information, dass wir uns jederzeit melden
konnten wenn wir Fragen hätten.
Was sollte man da dazu sagen? Wir waren sprachlos auf der Heimfahrt. Der Schock saß in unseren Gliedern und
Valentina lächelte aus dem Maxi Cosi. Wir lächelten, aber es war ein gedrücktes
Lächeln. Wir stellten uns die Frage warum gerade wir?


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