Eine Woche vor der geplanten
Operation hatten wir die Voruntersuchungen im Krankenhaus.
Folgende Untersuchungen
wurden in Narkose gemacht:
- Computertomographie - CT
- Magnetresonanztomographie
MRT, kurz auch MR
- BERA - Hörtest
Um den Gesundheitszustand
des Kindes feststellen zu können, muss man bei Narkose einen Tag früher ins
Krankenhaus. Man muss zuerst auf die Kinderambulanz, geht dann anmelden – gegen
einen Aufpreis kann eine Begleitperson bei dem Kind übernachten. Wieder zurück
darf man dann im Wartezimmer Platz nehmen. Gott sei Dank gibt es dort
interessante Spielsachen und eine Stiege mit Rutsche. Da ist das Warten nicht
so schlimm.
Nachdem Valentina soweit
ganz gesund ist, wird der Venflon gelegt und Blut abgenommen – vorausgesetzt
man findet eine schöne Vene. Ist nicht so einfach bei so kleinen Kids.
Beim Stechen sind die Kinder
wirklich arm. Ich glaube, dass niedergedrückt werden von den Schwestern ist
wahrscheinlich schlimmer als der Schmerz der Nadel. Dann ging auch noch die
Vene links während dem Blutabnehmen auf und so wurde dann auf der anderen Seite
auch noch einmal gestochen :-(
Aber alles geht vorbei und die
verschwitzte Valentina umarmte danach auch gleich noch ihre Ärztin und alle mussten
lächeln. Die Kleine ist wirklich hart im nehmen.
Ich war
froh, dass Rene dabei war, denn jemandem zu erklären, dass das Kind geweint und
geschrieen hat wird nie so verstanden werden, als wenn man es selbst erlebt
hat. Rene kann da wirklich sehr gut mitsprechen, denn er war bei fast allen
Untersuchungen dabei. Das ist glaube ich eine wirkliche Ausnahme, dass der
Partner immer dabei ist und alles live mitbekommt und unterstützt.
Dann ging es weiter in die
HNO-Abteilung zum Check und zur Ablaufbesprechung und wieder zurück zur
Ambulanz. Von dort dann gleich weiter zum Narkosegespräch. Da macht man schon
ganz schön Meter.
Vier Stunden später haben
wir dann „unser Zimmer“ bezogen und uns wird immer klarer, dass der große Tag
näher rückt. Wir verbringen unsere Zeit zu dritt, spielen und schlafen. Am
Nachmittag hatten wir ganz lieben Besuch und genossen die Sonnenstrahlen bei
Kaffee und Kuchen. So vergeht die Zeit einfach schon noch etwas schneller.
Das Einschlafen am Abend in
einem Krankenhaus ist meist nicht ganz so einfach. Valentina ist es nicht
gewohnt, dass beim Einschlafen jemand im Raum ist und reagiert sehr empfindlich
auf Licht. Ist auch verständlich, denn dadurch, dass sie ohne Hörgeräte nichts
hört sind die anderen Sinne bei ihr einfach mehr ausgeprägt. Wir haben nach
einer Weile mit der Bettnachbarin vereinbart, dass wir ihr ein paar Minuten
alleine geben und siehe da, sie ist vor lauter Erschöpfung sofort eingeschlafen.
Daraufhin war auch bei den Bettnachbarn das Einschlafen kein Problem mehr. Valentina hatte einen Schlaf
der Seeligen. Das ist wohl der einzige Vorteil von der Schwerhörigkeit, denn man
kann trotz aller Geräusche schlafen.
Am nächsten Tag hieß es
nüchtern sein, also in der früh nichts mehr essen und trinken. Dann wurde das
Kleidchen übergezogen und los geht’s. Im Gitterbett ist sie drinnen gestanden
wie ein kleines Äffchen. Hoch und runter, immer wieder hoch und runter…. und dann
der Fahrtwind in den Haaren, das war fein. Sie hat die Fahrt genommen und mit
ihr die Leute drum herum. Alle hatten ihren Spaß – schön wenn sie sogar im
Krankenhaus Menschen zum Lächeln bringen kann.
Wir fuhren mit ihr in die
Radiologie und dort erwartete uns schon die Narkoseärztin. Nach einem kurzen
Gespräch gab es eine dicke Umarmung, Küsschen und dann die Verabschiedung.
Es ist nicht einfach sein
Kind aus den Händen zu geben. Aber nachdem Valentina schon eine Narkose hinter
sich hatte (Paukendrainage) und sie die Narkose super vertragen hat, machten
wir uns wenig Gedanken diesbezüglich. Es ist ja keine wirklich tiefe Narkose –
schließlich geht es nur ums ruhig stellen während des CTs und MRs.
Damit die Zeit vergeht,
gingen wir ins Kaffee um uns ein wenig anzulenken. Schokolade hilft immer - was
Süßes für die Nerven.
Wir gingen zurück und ich
holte mir noch eine Weste, da mir etwas kalt wurde. Eigentlich wollte Rene ja gehen,
doch ich wollte selbst gehen. Im Nachhinein auch gut so…
Als ich zurück kam war Rene
nicht zu sehen. Ich suchte Valentinas Gitterbett, doch es war nicht mehr da und
an der Anmeldung waren so viele Menschen. Ich wirkte scheinbar etwas
verzweifelt und so kam ein anderer Patient zu mir und teilte mir mit, dass sie
schon mit ihr weggefahren sind. Nur wohin? Ich wurde nervös. Ich holte mein
Handy raus uns sah einen Anruf von Rene. Ich rief sofort zurück. Er klang etwas
angespannt und sagte mir, dass er vorm Aufwachzimmer sei, aufhören müsse zu
telefonieren und ich schnell kommen solle. Ich lief hin. Wo war der Lift? Warum
dauert das so lang? Ich war nervös. Was war da los?
Dort angekommen sah ich Rene
aufgeregt vor dem Eingang hin und her laufen, Sorgen ins Gesicht geschrieben.
Er erzählte was von Problemen mit der Sättigung, dass sie mit Valentina auf dem
Weg hierher immer schneller wurden und er nicht mit ihr weiter rein durfte –
nun hieß es warten. Wir waren hilflos. Ich weinte. Wir machten uns Sorgen um
Valentina, hatten Angst um sie. Niemand kam. Niemand sagte uns etwas. Rene
wollte rein. Ich hab ihn aufgehalten, denn wir können nichts machen. Das Herz
raste. Wir wussten nicht was mit unserem Kind ist. Die Zeit verging nicht. Wir
starrten unter Tränen auf die Tür. Minuten wurden zu Stunden.
Endlich öffnete sich die Tür
und die Narkoseärztin kam raus. Sie sagte, dass der Doktor bei ihr sei und wir
uns keine Sorgen machen brauchen. Sie werden uns dann gleich Bescheid geben und
die Logopädin sei auch schon drinnen. Sie ging bei der Tür raus. Wieder warten. Niemand kam.
War das jetzt gut, dass der Arzt da war oder war das schlecht? Ufff… wie kann
man da gefasst sein? Was war los?
Wieder die Tür, eine
Schwester kam raus und beruhigte uns. Der Arzt würde gleich kommen und die
Logopädin startet gleich mit dem Hörtest. Erleichterung! Ein Stein fällt uns
vom Herzen… Es ging ihr gut!
Dann kam der Doktor,
entschuldigte sich dafür, dass man mit Valentina gelaufen sei, man das gesehen
hat und meinte, dass die Maske verrutscht ist und es dadurch Probleme mit der
Sättigung gab. Nichts bedrohliches, aber man musste versuchen von einem
sicheren Raum zum nächsten sicheren Raum zu gelangen und wenn es Probleme gibt,
dann muss es, um kein Risiko einzugehen, schneller gehen. Es sei alles in
Ordnung! Er bedauerte die Situation
nochmals, entschuldigte sich dafür, dass die Information nicht gleich an uns
weitergegeben wurde, aber es musste schnell gehen und nun läuft der Hörtest.
Nach zirka einer halben
Stunde kam die Narkoseärztin wieder und ging in die Aufwachstation, nach
Beendigung des Hörtests durften wir zu ihr. Ich nahm sie in den Arm und
drückte sie. Was für eine Erleichterung!
Sie war wieder wach. Da wackelte sie
herum, bleich, „düd“, verwirrt, kraftlos, unkoordiniert. Ganz anders als beim
letzten Mal. Valentina wankte zwischen uns hin und her, sie konnte sich wohl
nicht entscheiden zwischen Mama oder Papa ;-) Sie war ganz ohne Plan. Nach zirka
20 Minuten kam dann endlich die Stationsschwester und wir durften wieder
zurück. Dort angekommen wurde sie schön langsam wieder die alte und sie hatte
Hunger. Sie gebärdete zum ersten Mal „Essen“ und nachdem sie nichts zu Essen bekommen
hat, gebärdete sie noch „Trinken“. UNGLAUBLICH! Sie gebärdet. Wir waren soooo glücklich. Ein
unbeschreibliches Gefühl. Es ist so schön, wenn Kinder „sagen“ können was sie
möchten. So redeten wir dann auch gleich
mit den absolut netten Schwestern auf der Kinderstation und durften
ausnahmsweise schon früher schluckweise etwas trinken und langsam essen. Und
was das bewirkte, da war sie wieder da die kleine Maus. Sie war wieder sie
selbst. Sie lachte, grinste und war wieder voller Energie. Alles vergessen und
alles gut!
Am Nachmittag ging es dann
zur Befundbesprechung auf die HNO-Abteilung. Dort erklärte uns Valantinas
operierender Arzt, Primar Keintzel, dass alles in Ordnung ist und die
Vorraussetzungen für den Eingriff optimal sind (keine Verknöcherungen od. sonstigen
Auffälligkeiten). Es sollte alles ohne große Komplikationen verlaufen. So
verließen wir optimistisch das Krankenhaus.