Mittwoch, 23. Oktober 2013

Die Voruntersuchungen



Eine Woche vor der geplanten Operation hatten wir die Voruntersuchungen im Krankenhaus.

Folgende Untersuchungen wurden in Narkose gemacht:


  • Computertomographie - CT
  • Magnetresonanztomographie MRT, kurz auch MR
  • BERA - Hörtest


Um den Gesundheitszustand des Kindes feststellen zu können, muss man bei Narkose einen Tag früher ins Krankenhaus. Man muss zuerst auf die Kinderambulanz, geht dann anmelden – gegen einen Aufpreis kann eine Begleitperson bei dem Kind übernachten. Wieder zurück darf man dann im Wartezimmer Platz nehmen. Gott sei Dank gibt es dort interessante Spielsachen und eine Stiege mit Rutsche. Da ist das Warten nicht so schlimm.

Nachdem Valentina soweit ganz gesund ist, wird der Venflon gelegt und Blut abgenommen – vorausgesetzt man findet eine schöne Vene. Ist nicht so einfach bei so kleinen Kids.
Beim Stechen sind die Kinder wirklich arm. Ich glaube, dass niedergedrückt werden von den Schwestern ist wahrscheinlich schlimmer als der Schmerz der Nadel. Dann ging auch noch die Vene links während dem Blutabnehmen auf und so wurde dann auf der anderen Seite auch noch einmal gestochen :-(
Aber alles geht vorbei und die verschwitzte Valentina umarmte danach auch gleich noch ihre Ärztin und alle mussten lächeln. Die Kleine ist wirklich hart im nehmen. 
Ich war froh, dass Rene dabei war, denn jemandem zu erklären, dass das Kind geweint und geschrieen hat wird nie so verstanden werden, als wenn man es selbst erlebt hat. Rene kann da wirklich sehr gut mitsprechen, denn er war bei fast allen Untersuchungen dabei. Das ist glaube ich eine wirkliche Ausnahme, dass der Partner immer dabei ist und alles live mitbekommt und unterstützt.

Dann ging es weiter in die HNO-Abteilung zum Check und zur Ablaufbesprechung und wieder zurück zur Ambulanz. Von dort dann gleich weiter zum Narkosegespräch. Da macht man schon ganz schön Meter.                             

Vier Stunden später haben wir dann „unser Zimmer“ bezogen und uns wird immer klarer, dass der große Tag näher rückt. Wir verbringen unsere Zeit zu dritt, spielen und schlafen. Am Nachmittag hatten wir ganz lieben Besuch und genossen die Sonnenstrahlen bei Kaffee und Kuchen. So vergeht die Zeit einfach schon noch etwas schneller.

Das Einschlafen am Abend in einem Krankenhaus ist meist nicht ganz so einfach. Valentina ist es nicht gewohnt, dass beim Einschlafen jemand im Raum ist und reagiert sehr empfindlich auf Licht. Ist auch verständlich, denn dadurch, dass sie ohne Hörgeräte nichts hört sind die anderen Sinne bei ihr einfach mehr ausgeprägt. Wir haben nach einer Weile mit der Bettnachbarin vereinbart, dass wir ihr ein paar Minuten alleine geben und siehe da, sie ist vor lauter Erschöpfung sofort eingeschlafen. Daraufhin war auch bei den Bettnachbarn das Einschlafen kein Problem mehr. Valentina hatte einen Schlaf der Seeligen. Das ist wohl der einzige Vorteil von der Schwerhörigkeit, denn man kann trotz aller Geräusche schlafen.

Am nächsten Tag hieß es nüchtern sein, also in der früh nichts mehr essen und trinken. Dann wurde das Kleidchen übergezogen und los geht’s. Im Gitterbett ist sie drinnen gestanden wie ein kleines Äffchen. Hoch und runter, immer wieder hoch und runter…. und dann der Fahrtwind in den Haaren, das war fein. Sie hat die Fahrt genommen und mit ihr die Leute drum herum. Alle hatten ihren Spaß – schön wenn sie sogar im Krankenhaus Menschen zum Lächeln bringen kann.

Wir fuhren mit ihr in die Radiologie und dort erwartete uns schon die Narkoseärztin. Nach einem kurzen Gespräch gab es eine dicke Umarmung, Küsschen und dann die Verabschiedung.

Es ist nicht einfach sein Kind aus den Händen zu geben. Aber nachdem Valentina schon eine Narkose hinter sich hatte (Paukendrainage) und sie die Narkose super vertragen hat, machten wir uns wenig Gedanken diesbezüglich. Es ist ja keine wirklich tiefe Narkose – schließlich geht es nur ums ruhig stellen während des CTs und MRs.
Damit die Zeit vergeht, gingen wir ins Kaffee um uns ein wenig anzulenken. Schokolade hilft immer - was Süßes für die Nerven.

Wir gingen zurück und ich holte mir noch eine Weste, da mir etwas kalt wurde. Eigentlich wollte Rene ja gehen, doch ich wollte selbst gehen. Im Nachhinein auch gut so…
Als ich zurück kam war Rene nicht zu sehen. Ich suchte Valentinas Gitterbett, doch es war nicht mehr da und an der Anmeldung waren so viele Menschen. Ich wirkte scheinbar etwas verzweifelt und so kam ein anderer Patient zu mir und teilte mir mit, dass sie schon mit ihr weggefahren sind. Nur wohin? Ich wurde nervös. Ich holte mein Handy raus uns sah einen Anruf von Rene. Ich rief sofort zurück. Er klang etwas angespannt und sagte mir, dass er vorm Aufwachzimmer sei, aufhören müsse zu telefonieren und ich schnell kommen solle. Ich lief hin. Wo war der Lift? Warum dauert das so lang? Ich war nervös. Was war da los? 

Dort angekommen sah ich Rene aufgeregt vor dem Eingang hin und her laufen, Sorgen ins Gesicht geschrieben. Er erzählte was von Problemen mit der Sättigung, dass sie mit Valentina auf dem Weg hierher immer schneller wurden und er nicht mit ihr weiter rein durfte – nun hieß es warten. Wir waren hilflos. Ich weinte. Wir machten uns Sorgen um Valentina, hatten Angst um sie. Niemand kam. Niemand sagte uns etwas. Rene wollte rein. Ich hab ihn aufgehalten, denn wir können nichts machen. Das Herz raste. Wir wussten nicht was mit unserem Kind ist. Die Zeit verging nicht. Wir starrten unter Tränen auf die Tür. Minuten wurden zu Stunden.

Endlich öffnete sich die Tür und die Narkoseärztin kam raus. Sie sagte, dass der Doktor bei ihr sei und wir uns keine Sorgen machen brauchen. Sie werden uns dann gleich Bescheid geben und die Logopädin sei auch schon drinnen. Sie ging bei der Tür raus. Wieder warten. Niemand kam. War das jetzt gut, dass der Arzt da war oder war das schlecht? Ufff… wie kann man da gefasst sein? Was war los?

Wieder die Tür, eine Schwester kam raus und beruhigte uns. Der Arzt würde gleich kommen und die Logopädin startet gleich mit dem Hörtest. Erleichterung! Ein Stein fällt uns vom Herzen… Es ging ihr gut!
Dann kam der Doktor, entschuldigte sich dafür, dass man mit Valentina gelaufen sei, man das gesehen hat und meinte, dass die Maske verrutscht ist und es dadurch Probleme mit der Sättigung gab. Nichts bedrohliches, aber man musste versuchen von einem sicheren Raum zum nächsten sicheren Raum zu gelangen und wenn es Probleme gibt, dann muss es, um kein Risiko einzugehen, schneller gehen. Es sei alles in Ordnung!  Er bedauerte die Situation nochmals, entschuldigte sich dafür, dass die Information nicht gleich an uns weitergegeben wurde, aber es musste schnell gehen und nun läuft der Hörtest. 

Nach zirka einer halben Stunde kam die Narkoseärztin wieder und ging in die Aufwachstation, nach Beendigung des Hörtests durften wir zu ihr. Ich nahm sie in den Arm und drückte sie. Was für eine Erleichterung! 
Sie war wieder wach. Da wackelte sie herum, bleich, „düd“, verwirrt, kraftlos, unkoordiniert. Ganz anders als beim letzten Mal. Valentina wankte zwischen uns hin und her, sie konnte sich wohl nicht entscheiden zwischen Mama oder Papa ;-) Sie war ganz ohne Plan. Nach zirka 20 Minuten kam dann endlich die Stationsschwester und wir durften wieder zurück. Dort angekommen wurde sie schön langsam wieder die alte und sie hatte Hunger. Sie gebärdete zum ersten Mal „Essen“ und nachdem sie nichts zu Essen bekommen hat, gebärdete sie noch „Trinken“. UNGLAUBLICH! Sie gebärdet. Wir waren soooo glücklich. Ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist so schön, wenn Kinder „sagen“ können was sie möchten.  So redeten wir dann auch gleich mit den absolut netten Schwestern auf der Kinderstation und durften ausnahmsweise schon früher schluckweise etwas trinken und langsam essen. Und was das bewirkte, da war sie wieder da die kleine Maus. Sie war wieder sie selbst. Sie lachte, grinste und war wieder voller Energie. Alles vergessen und alles gut!

Am Nachmittag ging es dann zur Befundbesprechung auf die HNO-Abteilung. Dort erklärte uns Valantinas operierender Arzt, Primar Keintzel, dass alles in Ordnung ist und die Vorraussetzungen für den Eingriff optimal sind (keine Verknöcherungen od. sonstigen Auffälligkeiten). Es sollte alles ohne große Komplikationen verlaufen. So verließen wir optimistisch das Krankenhaus.


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